Ich bin leidenschaftlicher Evangelist für Evangelismus

Sie sind u.a. Manager eines Teams, das sich Evangelisten nennt. Was muss man sich darunter vorstellen?
Der Begriff Evangelisten bezieht sich auf den griechischen Wortstamm „der die gute Nachricht bringt“. Idee ist, dass ein Mensch mit Ecken und Kanten, Vorlieben und Empathie zum Thema Sprecher und Vertreter ist. Jemand, der das Produkt lebt und liebt. Dabei soll sie oder er nicht ein Sprachrohr für Werbeaussagen sein, sondern realistisch Vor- und Nachteile darstellen, auf Fragen und Probleme antworten und Ideen versprühen. Dabei muss ein Evangelist auf der einen Seite anerkannter Experte in seinem Feld sein und zugleich ein hervorragender Netzwerker und Sprecher. Für mich sind Evangelisten die positive Antwort auf die Herausforderungen, die Social Media an Marketing stellt. Wer sich für das Thema interessiert, sollte mit dem Buch von Guy Kawasaki anfangen oder mir eine Mail schreiben. Ich bin leidenschaftlicher Evangelist für Evangelismus. Merkt man, oder?

Im Bereich des mobilen Internets, mobiler Endgeräte sind die Anwendungsmöglichkeiten schon heute vielfältig. Wo sehen Sie zukünftige Trends und Innovationen?
Achtung, die Antwort wird länger. Man hat mich mal zu einem Vortrag mit diesem Titel gebeten und ich bin beinahe dran verzweifelt. Wenn man eine Liste möglicher Weiterentwicklungen aufstellt, hört die gar nicht mehr auf. Daher habe ich mir ein kleines Modell gebaut (Siehe http://blogs.msdn.com). Lassen Sie uns zu Beginn die Frage stellen, was mobile Endgeräte eigentlich ausmachen? Zunächst einmal haben sie eine Unzahl von Sensoren eingebaut. Angefangen von GPS, Luftdruck, WLAN (kann man auch für Ortsmessung nutzen), Helligkeit, Touch und vieles Anderes. Sie können aber per Bluetooth oder NFC im Prinzip alles messen, was man elektronisch messen kann: Blutdruck, Blutzucker, Herzfrequenz, Radioaktivität, was immer. Ähnliches gilt für Aktoren. Telefone haben ein Display, Lautsprecher, Vibrationsalarm, können per Funk das Auto aufschließen, den Bankautomaten bedienen. Ein weiterer Aspekt ist die Personalität des Geräts. Ich frage schon seit mehreren Monaten bei jeder Gelegenheit, wer sein Mobiltelefon mit jemand anderem teilt. Bisher habe ich noch keinen getroffen. Es identifiziert uns über eine eindeutige Seriennummer in der SIM Karte. Es hat unsere privaten Bilder, Kontakte, SMS, Email. Nächster Aspekt: Es ist mit dem Internet verbunden – immer. Damit hat es Zugriff auf unbegrenzt Speicher und unbegrenzt Rechenleistung, kurz: Cloud Computing. In der Cloud gibt es grob zwei Dinge. Inhalte als Video, Audio, Text – kurz Wissen in jeder Darreichungsform. Und es gibt Services. Von der Bank-Überweisung, Reisebuchung, Email und Chat, vieles mehr. Das Faszinierende sind jetzt Apps. Sie verbinden die verschiedenen Aspekte des Geräts – also ein paar Sensoren hier mit ein paar Aktoren da und der Benutzeridentifikation dort plus ein oder zwei Online-Dienste – und fertig ist die Anwendungsmöglichkeit. Wenn man sich das mal gedanklich auf ein Blatt Papier, Verzeihung, auf seinen Tablet malt, dann wird jede Lösung ein Graph. Man verbindet Knoten – sprich Sensoren, Aktoren, Online-Dienste, etc. – miteinander.

Falls Sie mich jetzt fragen, wie viel Innovationspotential steckt in mobilen Endgeräten, würde ich auf das Model verweisen. Jede mögliche Lösung ist ein Graph. Wir haben beinahe unbegrenzt viele mögliche Knoten und noch viel mehr Verbindungsmöglichkeiten. Die Anzahl der Permutationen ist enorm groß und damit das Feld für Innovationen. Ein fast schon mathematischer Beweis.

Zur Frage nach Trends: Das würde ich reduzieren auf zwei wesentliche Trends: Mobile first und Simplexity. Jede Entwicklung, die zurzeit läuft und mobile Endgeräte nicht als primäres Endgerät hat, sollte überdacht werden. Im Jahr 2015 wird statistisch jeder Erdenbürger auch Mobilfunker sein, wie viel größer kann ein Markt werden? Mit Simplexity meint man einen typischen Prozess in der konsumenten-orientierten Technologie. Zunächst entwickelt sich eine Technologie, in dem sie Bekanntes nachmacht. Beim Mobiltelefon war es schlichtweg das kabelgebundene Telefon. Man hatte also Zehnertastatur und Klingelton. Dann kommen neue, eigene Dienste. Von SMS bis hin zu sozialen Netzen und Navigation. Ein heutiges Handy sieht überhaupt nicht mehr aus wie ein Tischapparat. Damit kommt aber auch Komplexität, dass viel technisches Verständnis vom Benutzer braucht. Wir erleben gerade, wie man diese Komplexität aus den Augen des Benutzers nimmt. Sie geht nicht weg, sie wird ins Backend verlagert und der Benutzer bekommt ein einfaches, intuitives Interface. Nehmen wir Apps mal als Beispiel. Heute erwarten Mobiltelefone, dass ich selber Daten und Fakten aus verschiedenen sozialen Netzen zusammenbringe, in dem ich durch diverse Apps hüpfe. Bei Windows Phone wird dies im People Hub für mich erledigt. Einfach und übersichtlich für den Benutzer. (...)

Das vollständige Interview mit Frank Fischer finden Sie im scm-Newsletter (1/2012).

Frank Fischer hält bei den Social Media Praxistagen am 14. März die Keynote.

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Frank Fischer ist Lead der Windows Phone Business Group bei Microsoft Deutschland und verantwortet das Geschäft und das Marketing im Bereich mobiler Endgeräte. Im Laufe seiner Karriere hat er in vielen unterschiedlichen Bereichen der IT gearbeitet, so kann er auf Erfahrungen vom Netzwerk-Administrator bis hin zum Programmierer von Embedded-Systems zurückgreifen. Nach dem Motto "Im Mittelpunkt sollte immer der Endbenutzer stehen" hatte Fischer die neuen Möglichkeiten, die Microsoft .NET bietet, vertreten. Das Thema Cloud-Computing und die Zukunft des mobilen Internet sind Fokus seiner derzeitigen Arbeit - speziell der Start von Windows Phone 7 im deutschen Markt.

 

 

 

 

 

 

Social Media Praxistage

Die scm veranstaltet am 14. und 15. März die Social Media Praxistage in Frankfurt am Main. Unter dem Motto „Fit für PR und Marketing im Social Web“ arbeiten Social Media-Experten zwei Tage lang mit den Teilnehmern in zehn Workshops zu Themen wie Pressearbeit 2.0, Mobile Marketing und der Nutzung von Facebook und Google+ in der Kommunikation.

Die Social Media Praxistage bieten Mitarbeitern aus den Bereichen Marketing und PR sowie verwandten Disziplinen die Möglichkeit, ihr Wissen in den praxisnahen Workshops zu vertiefen und auszubauen. Frank Fischer (Microsoft) und Alexander Lengen (Opel) eröffnen beide Tage durch ihre jeweiligen Keynote. Eine Diskussionsrunde sowie ein Get-Together bieten Raum zum Austausch und Networking mit Kollegen.

Referenten wie u.a. Anja Beckmann (get noticed!), Thomas Zich (Wunderknaben), Christian Pansch (construktiv) und Maren Heltsche (Ausschnitt Medienbeobachtung) arbeiten mit den Teilnehmern in Workshops zwischen 90 und 180 Minuten an ihren Top-Themen, um die Potentiale und Funktionsweisen der verschiedenen Social Media-Kanäle aufzuzeigen und Strategien für die Anwendung in der Unternehmenskommunikation zu entwickeln.

Click here to download:
Social_Media_Praxistage_web.pdf (424 KB)
(download)

 

Man muss auf kritische Reaktionen vorbereitet sein

Gab es anfänglich Bedenken, mit einem sensiblen Thema wie der Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr im Social Web aktiv zu werden?
Wir haben uns im Vorfeld intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, ob das Social Web überhaupt ein sinnvoller Kanal für uns ist. Welche Plattformen sind für uns relevant? Wie wollen wir diese in unsere bestehende Kommunikation integrieren? Die Entscheidung, Social Media für uns zu nutzen, lag auf der Hand. Denn eines unserer wichtigsten Kommunikationsziele ist die kontinuierliche Information von Eltern darüber, wie sie ihre Kinder sicher im Straßenverkehr transportieren können. Hier herrscht nach wie vor ein hoher Aufklärungsbedarf. Wir wissen zudem, dass wir unsere Zielgruppe sehr gut über das Web erreichen können. Hier recherchieren junge oder werdende Eltern und tauschen sich in Foren intensiv aus. Deshalb suchen wir genau dort den Dialog – gerade weil Sicherheit ein so wichtiges Thema ist, zu dem wir viel beitragen können. Unseren Fokus haben wir sowohl auf Facebook als auch auf unsere eigene Social Media-Plattform ‚Baby an Bord‘ gelegt. Aus unserer bisherigen Kommunikation und dem intensiven Kontakt mit der Zielgruppe war uns natürlich bewusst, dass das Thema Kindersicherheit sehr emotional ist. Man muss auf kritische Reaktionen vorbereitet sein, auch und vor allem im Internet. Wichtig ist uns einerseits, kritisch diskutierte Themen im Web und auf unseren Plattformen genau zu beobachten. Um schnell und transparent reagieren zu können, müssen wir uns hierbei untereinander gut abstimmen. Auf der anderen Seite wollen wir natürlich sicherstellen, dass die Aufbereitung unserer Informationen optimal an den Kanal angepasst ist.

Für viele Unternehmen stellt sich die Frage, wie sie Social Media in die Organisationsstruktur integrieren. Wie sind Sie vorgegangen?
Auch das ist eine wichtige Frage, die man sich unbedingt stellen sollte, bevor man anfängt im Web aktiv zu werden. Denn zum einen muss man in der Lage sein, schnell und ohne lange Abstimmungsschleifen reagieren zu können. Und zum anderen hat man zumindest am Anfang oft keine zusätzlichen Mitarbeiter zur Verfügung. Auch bedarf es oftmals interner Aufklärungsarbeit. Wir haben Social Media deshalb nach und nach aufgebaut. Aktuell liegt die Leitung in der PR-Abteilung, die eng verzahnt mit dem Kundendienst und internen Experten zusammenarbeitet. Auf unserem Blog ‚Baby an Bord’ kommen deshalb unsere Mitarbeiter von Britax Römer mit ih- rem Fachwissen zu Wort, berichten beispielsweise über die Entwicklung eines Kindersitzes oder erklären die Funktionsweise unserer Crashtest-Anlage. Diese Beiträge kommen sehr gut an und werden viel und gerne gelesen. Darüber hinaus versuchen wir Social Media auch kontinuierlich in die klassischen Kommunikation zu integrieren. (...)

Lesen Sie das gesamte Interview sowie weitere Artikel zum Thema Social Media im scm-Newsletter 4/2011.

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Nina Schröer arbeitet sein Juli 2010 als European PR & eMarketing Manager bei Britax Römer. Das Unternehmen ist ein führender Anbieter von Autokindersitzen, Kinderwagen, Fahrradkindersitzen und Babytragen. Vor Britax Römer war sie sieben Jahre in einer internationalen PR-Agentur in München tätig und hat Kunden im den Bereichen der Marken-, Produkt- sowie Krisenkommunikation beraten. Besondere Expertise hat sie in den Themen Consumer Goods, Consumer Electronics, Social Media sowie im Interimsmanagement.

 

 

 

 

Wie der Bekanntenkreis zukünftig die Google-Suche beeinflusst

Herr Seifert, warum sollte SEO für große und kleine Unternehmen, heute und in Zukunft, auf jeden Fall auf der Agenda stehen? 

Suchmaschinenoptimierung und die gute Auffindbarkeit in Suchmaschinen ist heute schon eines der wichtigsten Marketingmaßnahmen, mit denen sich kleine, aber natürlich auch große Unternehmen beschäftigen sollten. Google ist heute die zentrale Suchmaschine. 90 % aller Webrecherchen in Deutschland, egal ob im Bereich B2C, als auch im Bereich B2B, wird über Google durchgeführt. Entsprechend kann hier bei einer guten Positionierung, bei wichtigen Suchbegriffen, Neugeschäft generiert und Marktführerschaft kommuniziert werden. Und das im Vergleich zu anderen Marketingmaßnahmen mit geringer Investition. Zukünftig wird im Bereich Suchmaschinenoptierung auch das Thema Social Media eine wichtige Rolle spielen. Das bedeutet, wenn gute Positionierung für Sie auch, mittel- und langfristig, eine wichtige Zielsetzung ist, dann sollte auch ganz konkret und frühzeitig sinnvoll über das Thema Social Media Marketing nachgedacht werden.

Social Media und mobiles Internet wirken sich stark auf den Bereich Suchmaschinenoptimierung aus. Welche Trends sehen Sie und wie sieht die Zukunft von Suchmaschinenoptimierung aus?

Ganz klar ist zu erkennen, dass Google sich immer mehr nach den individuellen Bedürfnissen des Nutzers richtet. Mit Google+ und mit der Funktionserweiterung „+1“ sind Bewertungen und damit die sozialen Medien fester Bestandteil der Suchmaschine geworden. Das „Gefällt mir“ von Facebook ist auch heute bei Google mit „+1“ schon ein Kriterium, was Google nutzt, um die Relevanz einer Internetseite für einen Suchmaschinen-Nutzer zu bestimmen. Wir können also davon ausgehen, dass die zukünftigen Suchergebnisse, die Google anzeigt, stark von dem einzelnen Benutzer und seinen Präferenzen, sprich seinen „+1“- und „Gefällt mir“-Klicks, abhängig ist, aber auch wie das Netzwerk des Benutzers unterschiedliche Seiten mit dieser Methode bewertet hat. Zukünftig wird es also so sein, dass die einzelnen Netzwerk-Mitglieder innerhalb meines Bekanntenkreises stark mein persönliches Suchergebnis bei Google beeinflussen werden. Hier sind ganz neue Strategien gefragt und eben auch wichtige Social Media-Aspekte zu berücksichtigen, damit nicht nur heute, sondern auch morgen der Internetauftritt  gut gefunden wird und somit die Zielgruppe effizient erreicht werden kann.

Welchen Stellenwert nehmen Soziale Netzwerke in der beschleunigten Entwicklung der Suchmaschinenoptimierung ein und was bedeutet dies für den Bereich Marketing?

Wie ich in meiner vorherigen Antwort bereits erläutert habe, spielt Google im Bereich der Sozialen Medien, eine immer größer werdende Rolle. Es ist klar zu erkennen, dass Google das strategisches Ziel hat, auch wie Facebook, ein starkes soziales Netzwerk zu werden. Und die Funktionen, die seit kurzem integriert worden sind, mit Google+ bzw. dem „+1“, werden selbstverständlich diese Entwicklung beschleunigen. Ohne soziale Medien werden Suchmaschinenoptimierungsmaßnahmen zukünftig nicht mehr bzw. nur wenig greifen. Und es ist davon auszugehen, bei einer momentan extremen Wachstumsrate der Google+-Mitglieder, dass neben Facebook auch Google hier ein gewichtiges Wort in den Plattformen der Sozialen Medien mitzureden hat.

Hier ein kurzer Zahlenvergleich: Facebook hat ca. 3 Jahre gebraucht um 50 Mio. Nutzer zu erreichen. Google hat das in sensationellen 88 Tagen geschafft. Natürlich hat Google schon mit guter Vorarbeit, vor allem mit den Google-Konten, ein solides Fundament für diesen Erfolg geschaffen. Nichts desto trotz ist das Wachstum beeindruckend und entsprechend darf man davon ausgehen, dass diese Entwicklung sich weiter fortsetzen wird. Facebook und Google werden nach meiner Meinung wesentliche Spieler im Bereich der sozialen Medien. Entsprechend sollte man diese auch bei der Marketingstrategie berücksichtigen.

Christian Seifert ist Referent zum Thema Suchmaschinenopotimierung und Social Media Marketing beim Intensivkurs Social Media und Onlinekommunikation der scm

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Christian Seifert ist Vorstandsvorsitzender der avenit AG in Offenburg, einem Internet-Full-Service-Dienstleister. Er gründete das Unternehmen mit seinen beiden Brüdern im Jahr 2000. Bei der avenit AG steuert er die Bereiche Vertrieb und Kundenservice. Als Internetexperte hält er Vorträge zu Internet in China, Social-Media-Kampagnen, Suchmaschinen-Marketing und Erfolgsrezepten für Websites. Seit 2009 ist Christian Seifert Mitglied des Bundessenats für Wirtschaft und Technologie und im Europasenat zur Förderung der wirtschaftlichen und kulturellen Beziehung in Europa.