Intranet und Social Media – ein Werkstattbericht

Im Frühjahr 2012 wird das neue Intranet des Halbleiter-Herstellers aus München online gehen. Etwa 400 Mitarbeiter rund um den Globus bereiten den Relaunch derzeit vor. Teil des neuen Intranets wird auch eine Social Media-Plattform namens iSpace sein, die allen 26.000 Mitarbeitern weltweit zugänglich ist. Hier können sie persönliche Profile anlegen, Ideen vorstellen und diskutieren, Fragen stellen, Blog- und Microblog-Beiträge veröffentlichen oder selbst organisierte Communities bilden. Mit der Einführung dieses „Business-Facebook“ betritt das Hightech-Unternehmen Neuland.

Sprung auf den Zug ins Ungewisse
In einem Pilotprojekt haben rund 800 Infineon-Mitarbeiter seit Mai 2011 Erfahrungen gesammelt, welche Möglichkeiten das neue Angebot namens iSpace bietet – und wie die neuen Kommunikationsformen in die Routinen des Arbeitsalltags integriert werden können. Der iSpace-Projektleiter Armin Müller zieht das vorläufige Fazit: „Nicht jeder springt sofort auf den Zug ins Ungewisse – viele Kollegen üben Zurückhaltung und schauen zunächst lieber zu.“ Wie wissenschaftliche Arbeiten zur Social Media-Nutzung seit einigen Jahren zeigen, ist der Anteil der passiven Nutzer hoch. Müller: „Während im Web 2.0 nur jeder zehnte Nutzer regelmäßig selbst Beiträge veröffentlicht, liegt der Anteil der aktiven Nutzer in unserem Projekt nach den ersten sechs Monaten bereits bei 35 Prozent.“
Dennoch braucht die Verbreitung – und vor allem die sinnvolle Verankerung in die Kommunikationsabläufe des Arbeitsalltags – Zeit. Auch bei Infineon wurde deutlich, dass erst eine kritische Masse erreicht sein muss, ehe die Anwender spürbaren Nutzen erfahren.

Wissenschaftliche Projekt-Begleitung
Das Christian Doppler-Institut der Universität Salzburg hat das Projekt begleitend evaluiert. Zu Beginn nahm es eine qualitative Untersuchung der Erwartungen und Befürchtungen der Community Manager vor: Es galt herauszufinden, welchen Nutzen sich diejenigen versprechen, die auf der Plattform geschlossene oder offene Gruppen moderieren sollten – und welche Hilfestellung sie benötigen, um möglichst rasch konkrete Erfolge zu erzielen. In Workshops und Trainings wurden sie auf ihre Aufgaben vorbereitet und in der Bedienung der Plattform geschult. Trotzdem war das Pilotprojekt kein Selbstläufer.
Nach einigen Monaten wurden die Nutzer befragt, welchen Nutzen ihnen das Werkzeug gebracht hat, und welche Hindernisse und Risiken sie feststellten. Eine aufschlussreiche Beobachtung bei der Daten-Auswertung war: Das Aktivitätsniveau der verschiedenen Bereiche hatte sich sehr unterschiedlich entwickelt. So gab es früh regen Austausch in der IT, im Vertrieb und in den Forschungs- und Entwicklungsbereichen – also dort, wo es für die Mitarbeiter bereits selbstverständlich ist, über Ländergrenzen und Zeitzonen hinweg virtuell zusammenzuarbeiten.

Lesen Sie den vollständigen Werkstattbericht im IK im Fokus (1/2012).
Pit Hansing wird auf den Praxistagen Interne Kommunikation 2.0 am 18. und 19. September in Frankfurt über dieses Projekt in berichten. 

Hansing_pit
Pit Hansing ist seit Januar 2010 Director Internal Communication and Change Management bei Infineon Technologies. Vorher hatte er acht Jahre lang in Kommunikationsabteilungen von Siemens Nixdorf und Siemens gearbeitet  und seit 2006 als Berater der Agenturen Pleon und Cetacea mittelständische und große Unternehmen bei Veränderungskommunikation beraten – seit Sommer 2008 auch Infineon.