Eine unschätzbare Möglichkeit für Unternehmen, Einblicke in die Kultur zu gewähren
Ersetzt Social Recruiting über Karriere- bzw. Businessnetzwerke zukünftig klassische Stellenanzeigen?
Gerade traditionellere Berufsgruppen lassen sich noch leichter über Stellenanzeigen erreichen als über Business-Netzwerke. Die Zielgruppen auf Social Media Netzwerken hingegen gehen zum Großteil einem klassischen Bürojob nach – häufig in den Bereichen IT, Forschung und Entwicklung sowie Marketing und Werbung. Laut einer Studie von LinkedIn sind dabei nur 17 Prozent der Mitglieder aktiv auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Gleichzeitig bieten Business-Netzwerke einen großen Pool an qualifizierten Kandidaten. Für Personalverantwortliche wird daher die Suche über Business-Netzwerke in Zukunft wichtiger werden, da die direkte Ansprache der Kandidaten einfacher ist – und das Unternehmen nicht warten muss, ob sich auf eine Stellenanzeige hin Bewerber überhaupt melden.
Welche Rolle spielen Businessnetzwerke bei der Darstellung der Arbeitgebermarke?
Business-Netzwerke sind für Unternehmen in erster Linie ein Rekrutierungswerkzeug. Wie bereits erwähnt, sind zum Beispiel auf LinkedIn die wenigsten Mitglieder aktiv auf der Suche nach einer neuen Position. Unternehmen müssen die Kandidaten direkt ansprechen. Dabei gehört es zum „guten Ton“, eine gepflegte Unternehmensseite im Business-Netzwerk zu haben, auf der sich die potentiellen Kandidaten informieren können. Nichts ist abschreckender, als bezüglich einer neuen Arbeitsstelle kontaktiert zu werden – und dann über die Firma keine Informationen zu finden.
Außerdem bieten Business-Netzwerke die Möglichkeit, Kandidaten mit Mitarbeitern in Verbindung zu bringen. Unternehmen wie SAP haben hierfür geschlossene Gruppen auf LinkedIn gegründet, in denen sich Angestellte und Kandidaten austauschen können. Das ist eine unschätzbare Möglichkeit für Unternehmen, Einblicke in die Kultur zu gewähren und gemeinsam mit Kandidaten an einer Einschätzung zu arbeiten, ob der potentielle Mitarbeiter auch zum Unternehmen passt. Gleichzeitig ist das ein Lithumus-Test für die Firma: Sind die Mitarbeiter unzufrieden und die Arbeitgebermarke nicht intern gelebt, wird sich das in solchen Gruppen widerspiegeln.
Wie nutzt LinkedIn das Social Web für die eigene Kommunikation?
LinkedIn hat weltweit 150 Millionen Mitglieder, die sich beispielsweise in drei Millionen Gruppen regelmässig austauschen. Im Bereich Public Relations wird mit firmeneigenen Blogs, Facebook, Twitter und einer Reihe ähnlicher Plattformen gearbeitet. In Deutschland haben wir seit der Eröffnung des Standorts in München verschiedene LinkedIn-Gruppen auf den Weg gebracht, LinkedIn DACH auf Facebook und Twitter eröffnet und im April 2012 unsere Social Media-Kampagne „Die sieben Geheimnisse des Berufslebens“ gelauncht. Wir sind uns aber bewusst, dass wir den Markt erst noch kennen lernen müssen und es noch viel zu tun gibt, bevor wir unsere deutschsprachigen Nutzer perfekt „bedienen“.
Gudrun Herrmann ist Referentin der K2-Tagung "Social Media und Onlinekommunikation" am 14. Juni in Düsseldorf.
Weitere Interviews und Fachartikel zum Thema Social Media finden Sie im scm-Newsletter (3/2012).
