Energiekonzern setzt auf Transparenz und Dialog
3 Fragen an Volker Heck, RWE
Energieversorger sind krisenanfälliger als andere Industriezweige. Nicht nur Kommunikatoren müssen immer wieder Rede und Antwort stehen. Wie bereiten Sie Ihre Mitarbeiter vor?
Energieversorger sind im Vergleich mit beispielsweise der Chemie- oder Pharmaindustrie nicht mehr oder weniger krisenanfällig. Eher muss man sagen: Krisen können jedes Unternehmen und jede Organisation zu jeder Zeit treffen. Daher ist jeder Kommunikationsprofi immer gut vorbereitet. Bei RWE gehört neben den gebräuchlichen Krisenplänen, -handbüchern und natürlich -übungen auch zu den Standards, dass neben den Kommunikationskollegen auch Experten für technische Themen über Mediatrainings darauf vorbereitet werden, Rede und Antwort zu stehen. Gelegenheiten zum Trainieren in Echtzeit gibt es ausreichend, da wir viele hochspezialisierte Technik- und Technologiethemen haben, die wir auch im Tagesgeschäft gern von Fachleuten erläutern lassen.
Abgesehen von den Fachleuten ist im Konzern allen Mitarbeitern klar, wer als Sprecher für das Unternehmen agiert. Unsere Mitarbeiter halten wir über alle Kanäle der internen Kommunikation sprechfähig zu aktuellen oder komplexen Themen. Denn: Deren Familie und Freunde haben zu vielen Energiethemen immer häufiger sehr detaillierte Fragen.
Wie begegnen Sie der verstärkten Protestkultur, die zunehmend große wie kleine Industrieprojekte blockiert?
Wir verfolgen seit Jahren den Grundsatz größtmöglicher Transparenz und Offenheit. Dialog mit den Menschen vor Ort ist für uns auch nichts Neues und kein Phänomen der letzten paar Jahre. Wenn Sie sich unser Geschäft ansehen, wird schnell klar, dass bei Kraftwerken, Tagebauen, Netzen etc. Einbeziehung und Dialog mit Anwohnern, Politik, NGOs etc eine Selbstverständlichkeit ist.
Was sich verändert hat, ist eher die öffentliche Einstellung insgesamt zu Großprojekten aller Art und die Geschwindigkeit, mit der kritische Fragestellungen über Internet und Social Media von einem Standort auf den nächsten "überspringen". Hinzu kommt, dass es mehr individuelle Meinungen gibt, die als allgemeingültig und bestimmend wahrgenommen werden, wenn der Meinungsbildner nur schnell und laut genug agiert. Der gesellschaftliche Dialog über Energiefragen beispielsweise wurde in den letzten Jahren sehr schwarz-weiß geführt: Hier die Bösen, dort die Guten.
Aber nur eine Kooperation aller gesellschaftlichen Gruppen kann eine weithin akzeptierte Energieversorgung sichern. Deswegen sehen wir uns in unserem Transparenz-Ansatz bestätigt. Denn es ist – gemeinsam mit NGO’s und Politik - unsere Aufgabe, offen und ehrlich zu erklären, dass beispielsweise eine regenerative Zukunft von allen Kompromisse fordert.
Wie reagieren Sie auf Kritik im Social Web?
Wo es möglich ist, gehen wir in den Dialog. Wir haben erkannt, dass wir früher unsere ausgesprochen komplexen Themen vielleicht zu wenig erklärt haben. Und sicher nicht immer mit den passenden Worten, weil wir zu sehr aus der Perspektive des Ingenieurs denn aus der unserer Kunden argumentiert haben. Das ändern wir.
Um auf meinen Einstieg zurückzukommen: Es gibt Momente, in denen wir klar sagen müssen, bis hierhin und nicht weiter: Sachkritik und unterschiedliche Meinungen sind gut, Bedrohungen für Leib und Leben unserer Mitarbeiter überschreiten deutlich eine Grenze. Vorgekommen ist das glücklicherweise selten. Im Gegenteil: Gerade in den letzten Monaten haben wir positives Feedback für Offenheit und Dialogbereitschaft bekommen, auch wenn nicht alle unserer Meinung sind. Und zusätzlich festgestellt, dass es einen immensen Informationsbedarf zu Energiethemen gibt, den wir gerne stillen wollen.
Dieses Interview ist im scm-Newsletter 3/2011 erschienen.
Volker Heck ist Referent der K2-Tagung Krisenkommunikation, die am 13. Oktober 2011 in Düsseldorf stattfindet.
Volker Heck ist seit 2006 Leiter Konzernkommunikation der RWE AG. Von 2003 bis 2006 leitete er die Konzern-Energie-/Umweltpolitik sowie die Konzern-Außenbüros der RWE AG. Zuvor war er als Leiter der Presseabteilung für die Konzernkommunikation zuständig. Von 1994 bis 1999 verantwortete er die Unternehmensentwicklung der RWE Energie AG und die Konzernentwicklung der heutigen RWE AG.